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Dauerbaustelle Befristungen

Dauerbaustelle Befristungen

Deutsche Post bedroht befristet Beschäftigte mit Lohnabsenkungen von bis zu 20 Prozent

Die Ankündigung der Deutschen Post AG, einen Teil der bislang zum Haustarif befristet angestellten Beschäftigten in deutlich niedriger tarifierte neu gegründete Firmen abzuschieben, kritisiert die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) als "sozialpolitischen Skandal ersten Ranges": Der Post gehe es wirtschaftlich prächtig, Anleger und Investoren würden mit äußerst positiven Prognosen gelockt, die schwächsten Beschäftigten sollten dafür zahlen: "Die Ankündigung der Post, angeblich 10.000 neue Arbeitsplätze schaffen zu wollen, ist ein klarer Fall von Tarif- und Mitbestimmungsflucht und eine Aushöhlung bestehender Verträge", sagte die stellvertretende ver.di-Vorsitzende Andrea Kocsis am Donnerstag.

Ganz offensichtlich wolle die Post mit diesem Manöver die Arbeitsbedingungen von mehr als 10.000 Beschäftigten radikal verschlechtern. "Das ist der Einstieg in den Ausstieg aus der Sozialpartnerschaft", stellte Kocsis klar. Das werde auch in der Politik nicht ohne Reaktionen bleiben. Nach Berechnungen von ver.di drohen den Beschäftigten allein mit Blick auf den Stundenlohn Absenkungen von bis zu rund 20 Prozent.

Nachdem das Unternehmen unter Ausnutzung des Teilzeit- und Befristungsgesetzes mehr als 24.000 befristet Beschäftigte "in Geiselhaft genommen" habe, solle jetzt aus bestehenden Verträgen ausgestiegen werden.

Das Manöver hat Ausstrahlung weit über die bei der Post Beschäftigten hinaus."Befristungen werden von unseren Mitgliedern zunehmend als Faustpfand in der Hand der Arbeitgeber erlebt, mit dem faire Arbeitsbedingungen ausgehöhlt werden," unterstützte Eva M. Welskop-Deffaa – im ver.di-Bundesvorstand zuständig für Arbeitsmarktpolitik – die Kritik.

siehe dazu auch: "Befristungspraxis korrigieren"