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    Betriebsrenten in 2018 erstmals staatlich gefördert

    Betriebsrenten in 2018 erstmals staatlich gefördert

    Die Betriebsrenten von 680.000 Beschäftigten wurden in 2018 erstmals staatlich gefördert

    Das Statistische Bundesamt veröffentlicht dazu aktuelle Zahlen

    Mit dem Betriebsrentenstärkungsgesetz (BRSG) traten verschiedene Maßnahmen zur Förderung der betrieblichen Altersversorgung (bAV) zum 1.1.2018 in Kraft. Unter anderem wurde ein „bAV-Förderbetrag“, also ein staatlicher Zuschuss zur bAV für Beschäftigte mit einem monatlichen Einkommen bis 2.200 Euro, eingeführt (sog. „Geringverdienerförderung“, § 100 EStG). Das betrifft rd. 12 Mio. Beschäftigte. Wenn Arbeitgeber ihren Beschäftigten eine betriebliche Altersversorgung zusagen, erhalten sie 30 % ihrer Aufwendungen unbürokratisch vom Finanzamt ersetzt. Das wurde von ver.di begrüßt. Nun haben wir es geschafft, die Einkommensgrenze noch einmal zu erhöhen. Damit könnten weitere 3,3 Mio. Beschäftigte und deren Arbeitgeber*innen profitieren.

    Mit dem Grundrentengesetz, im Juli 2020 verabschiedet, wurde der bAV-Förderbetrag, der Arbeitgeber*innen finanziell motivieren soll, ihren Beschäftigten eine Betriebsrente zu finanzieren, bereits für dieses Jahr deutlich verbessert. Arbeitgeber*innen, die ihren Beschäftigten eine betriebliche Altersversorgung (bAV) von 240 bis 960 Euro (statt ursprünglich bis 480 Euro) zusagen und deren Monatsverdienst jetzt 2.575 Euro (statt bisher 2.200 Euro) nicht übersteigt, können 30 % dieses zusätzlichen Arbeitgeberbeitrags steuerlich geltend machen. Mit der Anhebung der Beträge könnten gerade im Niedriglohnbereich und bei Teilzeitbeschäftigten (und damit vor allem Frauen) deutlich mehr Beschäftigte von einer Betriebsrente profitieren. Insbesondere Arbeitgeber*innen sollten nun die Chancen dieser Co-Finanzierung nutzen; Beschäftigte mit ihren Arbeitgeber*innen darüber ins Gespräch kommen.

    Dabei darf nicht übersehen werden, dass Arbeitgeber*innen – neben dem „bAV-Förderbetrag“ – ihre Aufwendungen zur bAV grundsätzlich als Betriebsausgaben absetzen können. Bei einem Unternehmenssteuersatz von rund 30 % macht das die arbeitgeberfinanzierte bAV doppelt interessant.

    Das Statistische Bundesamt hat im Juli 2020 erstmals Zahlen über die Inanspruchnahme des bAV-Förderbetrages im Jahr 2018 veröffentlicht, die Hoffnung machen, aber auch noch Luft nach oben lassen. Jetzt gilt es, Interesse besonders bei den Klein-, Kleinst- und Mittelbetrieben zu wecken, damit sich deutlich mehr Arbeitgeber*innen am Aufbau einer bAV ihrer Beschäftigten beteiligen.

    Grafische Darstellung der BAV-Fördersummen 2018 nach Betriebsgröße Destatis, 2020 BAV-Fördersumme nach Betriebsgröße 2018

    Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) jetzt mitteilt, „haben im Jahr 2018 knapp 50.000 Arbeitgeber*innen in Deutschland diesen Förderbetrag für 680 000 ihrer Beschäftigten mit niedrigen Bruttolöhnen erhalten. Das waren 2,5 % aller Arbeitgeber*innen in Deutschland. Insgesamt betrug das Volumen für den staatlichen Zuschuss 67 Millionen Euro.

    Den Hauptanteil mit 68 % der Fördersumme (45 Millionen Euro) beanspruchten große Unternehmen mit mehr als 250 Beschäftigten: 2.440 (11 %) der rund 22.800 großen Unternehmen in Deutschland nutzten diese Möglichkeit. Nur 22.700 und damit 1,7 % der 1,4 Millionen Kleinstunternehmen mit 10 oder weniger Beschäftigen nahmen die Fördermöglichkeit wahr. Ihr Anteil an der gesamten Fördersumme betrug knapp 5 % (3,1 Millionen Euro). Im Durchschnitt aller Unternehmen wurde ein Zuschuss in Höhe von 93 Euro pro Arbeitnehmerin beziehungsweise Arbeitnehmer gewährt.“ (Pressemeldung des Statistischen Bundesamtes vom 13.7.2020)

    Beispiele

    Arbeitgeber A sagt seinen Beschäftigten mtl. 50 € (jährlich 600 €) für eine bAV zu. 180 € (30 %) kann er vom Finanzamt zurückerhalten.

    Der Tarifvertrag des Einzelhandels sieht eine jährliche bAV-Leistung von 300 € vor. Arbeitgeberin B stockt diesen Betrag um 180 € auf 480 € auf. Sie bekommt 144 € (30 % von 480 €) vom Finanzamt zurück. Ihr Nettoaufwand beträgt 36 € jährlich (3 € monatlich).
    Arbeitgeberin C stockt die 300 € um 660 € auf und würde dann 288 € vom Finanzamt erhalten können. Ihr Nettoaufwand würde 372 € jährlich (31 € monatlich) betragen.
    Arbeitgeber D stockt hingegen nur um 100 € auf 400 € auf. Er kann nicht 30 % von 400 € (120 €), sondern max. den Betrag vom Finanzamt erhalten, um den er aufgestockt hat, also 100 €. Sein Nettoaufwand wäre Null.

    Interessant, zu wissen

    Im Einzelhandel wurde 2001 eine arbeitgeberfinanzierte Zusatzleistung zur Alterssicherung tariflich festgeschrieben, zum Teil durch Umwidmung der Vermögenswirksamen Leistungen. Die Arbeitgeber sagten zu, jährlich 300 Euro für ihre Beschäftigten – anteilig für Teilzeit – in eine Pensionskasse, einen Pensionsfonds oder eine Direktversicherung einzuzahlen. Ein finanzieller Beitrag der Beschäftigten ist nicht nötig; sie müssen nur einmalig einen Antrag stellen. Die Inanspruchnahme ist in den meisten Betrieben mehr als gering. Die Beschäftigten verschenken damit Geld, das sie im Alter gut gebrauchen könnten.

    Die Gründe, warum das so ist und was getan werden kann, um die bAV zu fördern, untersucht eine laufende Studie des Forschungsnetzwerks Alterssicherung, die von der Universität Kassel (FB05 Gesellschaftswissenschaften) durchgeführt wird: (Nicht)Inanspruchnahme des tariflich fixierten Altersvorsorgebeitrags im Einzelhandel. Individuelle und strukturelle Konstellationen (Deutsche Rentenversicherung, Projektleitung: Prof. Dr. Wolfgang Schroeder; Projektbearbeitung: Lukas Heller, Dr. Samuel Greef).

    Wir sind auf die Ergebnisse gespannt und werden darüber berichten.

    Gibt es sonst noch Neues?

    Mit dem Referentenentwurf des Bundesarbeitsministeriums für ein Gesetz „Digitale Rentenübersicht“ vom 29.7.2020 soll ein seit vielen Jahren diskutiertes sozialpolitisches Vorhaben umgesetzt werden, den Kenntnisstand über die eigene Altersversorgung der Menschen durch verlässliche, verständliche und möglichst vergleichbare Informationen aus allen drei Säulen der Alterssicherung im Rahmen einer Digitalen Rentenübersicht zu verbessern. Die dafür geschaffene Zentralstelle Digitale Rentenübersicht (ZfDR) soll bei der Deutschen Rentenversicherung Bund angesiedelt werden. Die ver.di-Stellungnahme werden wir in der sopoaktuell Nr. 302 veröffentlichen.

    [1.9.2020]