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    Corona-Pandemie und die Folgen für Arbeitsmarkt und Beschäftigung

    Corona-Pandemie und die Folgen für Arbeitsmarkt und Beschäftigung

    Die Auswirkungen der Pandemie stellen Wirtschaft und Arbeitsmarkt weiterhin vor große Herausforderungen. Der massive Einsatz von Kurzarbeit hat stärkere Anstiege der Arbeitslosigkeit und Beschäftigungsverluste bisher verhindert. Ende Juli lag die Arbeitslosigkeit bei über 2,9 Mio. Menschen und blieb damit auf einem niedrigeren Niveau als zu Beginn der Pandemie zunächst befürchtet. Im Vergleich zum Vorjahr hat sich die Arbeitslosenzahl allerdings um 635.000 Menschen erhöht. Auch wenn die Arbeitslosenzahlen nur moderat steigen, ist die Krise am Arbeitsmarkt nicht vorbei. Die einzelnen Wirtschaftsbranchen sind von den Auswirkungen der Pandemie unterschiedlich betroffen. Die Folgen für Beschäftigte sind zum Teil noch nicht absehbar und dies bedeutet weiterhin Unsicherheiten. ver.di hat dazu bereits mehrfach klare Positionen an den Gesetzgeber und die Unternehmen formuliert.

    „Auf entsicherten Arbeitsmärkten trifft eine wirtschaftliche Krise Geringverdienende und prekär Beschäftigte mit voller Wucht.“

    ver.di-Positionspapier: Erste Lehren aus der Corona-Krise, 29.06.2020

    Kurzarbeit

    Nach Daten der Bundesagentur für Arbeit (BA) wurde vom 1. bis einschließlich 26. Juli für 190.000 Personen konjunkturelle Kurzarbeit angezeigt. Damit geht die Zahl der Personen, für die Kurzarbeit angezeigt wird, deutlich zurück, nach einem massiven Anstieg im März und April. Der Durchschnittswert des Arbeitsausfalls für die realisierte Kurzarbeit lag bis Juni 2020 bei rund 50 Prozent und sinkt derzeit auf rund 40 Prozent. Nach vorläufigen hochgerechneten Daten der BA wurden im Mai für 6,70 Millionen Arbeitnehmer*innen konjunkturelles Kurzarbeitergeld gezahlt (aktuelle Daten zur tatsächlichen Inanspruchnahme von Kurzarbeit liegen für Juni 2020ff noch nicht vor), nach 6,10 Millionen im April und 2,46 Millionen im März. Nach wie vor sind einzelne Industrie- und Dienstleistungsbereiche von Kurzarbeit unterschiedlich betroffen. In der Tourismus-, Veranstaltungs- und Luftverkehrsbranche ist zum Teil das Ende von Kurzarbeit nicht abzusehen. Das Kurzarbeitergeld für die betroffenen Arbeitnehmer*innen ermöglicht allerdings nur bedingt den gewohnten Lebensunterhalt. Deshalb ist die gewerkschaftliche Forderung, das gesetzliche Kurzarbeitergeld durch die Arbeitgeber aufzustocken, weiter aktuell.

    „Die Corona-Pandemie zeigt aber auch über den Arbeitsmarkt hinaus Versorgungslücken und Defizite unseres Sozialstaates.“

    ver.di-Wipo-Informationen 2, Juni 2020

    Um die Fachkräfte auch weiterhin in den Unternehmen zu halten, müssen die erweiterten Möglichkeiten und der Anspruch auf Kurzarbeitergeld verlängert werden. Denn Teile der Wirtschaft werden trotz Lockerungen auch in den kommenden Monaten noch an den Folgen der Pandemie leiden. Der Koalitionsausschuss von CDU/CSU und SPD hat am 25.8.2020 verabredet, dass „die Bezugsdauer für Betriebe, die bis zum 31.12.2020 Kurzarbeit eingeführt haben, auf bis zu 24 Monate, längstens bis zum 31.12.2021, verlängert.“ wird. Vorangegangen ist der Druck von ver.di, NGG und dem DGB. Dort, wo es sinnvoll ist, z. B. in Branchen, die sich wegen der Digitalisierung im Transformationsprozess befinden, sollten die Fortführung des Kurzarbeitergeldes mit Qualifizierungs- und Weiterbildungsangeboten verknüpft werden. Klar ist auch, Kurzarbeit kann und darf kein Dauerzustand für bestimmte Branchen oder Unternehmen sein.

    Folgen für bestimmte Beschäftigungsgruppen

    Die letzten Monate haben auf brutale Art und Weise gezeigt, dass die Menschen dort, wo bereits vor der Pandemie Sicherungslücken und prekäre Beschäftigungsverhältnisse bestanden, der Krise und dem Virus oft besonders ausgeliefert waren. Besonders hart getroffen wurden vor allem Geringqualifizierte, Niedriglöhner*innen, Minijober*innen, Solo-Selbstständige und ausländische Beschäftigte. Diese Personengruppen waren zuletzt von den Folgen der Pandemie am stärksten von Entlassungen betroffen. Fakt ist, dass viele Menschen, deren 450-Euro-Job aufgrund der Pandemie weggefallen ist, aufgrund ihres „beruflichen Status“ keine finanzielle Absicherung durch das Kurzarbeitergeld bekommen haben, da sie auch nicht in die Sozialversicherungssysteme eingezahlt haben. Nicht nur in Corona-Zeiten ist deshalb die gewerkschaftliche Forderung aktueller denn je, die Kleinstarbeitsverhältnisse wie Mini- und Midi-Jobs als voll sozialversicherungspflichtige Beschäftigungen gesetzlich zu regeln.

    „Beschäftigte in Niedriglohnsektoren oder in Teilzeit können mit einem Kurzarbeitergeld von 60 Prozent ihren Lebensunterhalt nicht gestalten.“

    ver.di-Positionspapier: Erste Lehren aus der Corona-Krise, 29.06.2020

    Die Folgen der Pandemie werden auch bei Neueinstellungen (u. a. Berufsausbildung) spürbar. Denn Ein-stellungen sind seit Beginn der Pandemie stark zurückgegangen und es besteht die Sorge, dass daraus eine länger andauernde Arbeitslosigkeit und für junge Menschen – die eine Berufsausbildung anstreben –, eine „Generation Corona“ entsteht.

    Maßnahmen, um Arbeitsmarkt und Beschäftigung zu stabilisieren

    Die Corona-Pandemie hat eindrücklich gezeigt, wie wichtig eine starke und verlässliche Arbeitslosenversi-cherung mit ihren unterschiedlichen Instrumenten (u. a. Kurzarbeit, Qualifizierung etc.) und das Arbeits-losengeld sind. Mit Beschlüssen zu Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik (u. a. A 001 und B 090) wurde auf dem ver.di-Bundeskongress im September 2019 bereits ein umfassendes Programm für „Gute Arbeit“ im Betrieb, finanzielle Sicherheit sowie Perspektiven in Beruf und Leben beschlossen.

    „Der Shutdown offenbart große Versorgungslücken in unserem sozialen Sicherungssystem. Sie schützen zahlreiche Bevölkerungsgruppen nicht ausreichend vor Armut und sichern nicht mehr ihren Lebensstandard.“

    ver.di-Positionspapier: Erste Lehren aus der Corona-Krise, 29.06.2020

    Zu einer umfassenden Strategie gehört deshalb, dass u. a.

    • der Zugang zum Arbeitslosengeld zu erleichtern ist mit einer längeren Bezugsdauer (Verlängerung auf 24 Monate) des Arbeitslosengeldes, um somit ein frühzeitiges Abrutschen in die nicht existenzsichernde Grundsicherung (SGB II) zu vermeiden,
    • Arbeitslose neben einem Qualifikationsschutz auch einen Rechtsanspruch auf aktive Fördermaßnahmen benötigen,
    • die unfreiwillige Teilzeit zurückzudrängen und die sachgrundlose Befristung abzuschaffen ist,
    • die Grundsicherungsleistungen auch verbessert und erhöht werden müssen, da Haushalte mit niedrigem Einkommen von der Pandemie besonders stark betroffen waren und noch sind,
    • ein leistungsfähiger Sozialstaat benötigt wird, dessen Finanzierungslasten gerecht verteilt werden und die Menschen gut gegen alte und neue Lebensrisiken absichert.

    Dies sind einige Maßnahmen, die mit dazu beitragen können, berufliche und finanzielle Sicherheit sowie eine Stabilisierung des Arbeitsmarktes zu gewährleisten. Deshalb muss die Forderung an Bundesregierung und Bundestag nach einer verbesserten sozialen Sicherheit – nicht nur in Zeiten der Pandemie – weiter aufrechterhalten werden.